Produktpiraterie hat viele Gesichter

Die Pirateriefälle, mit denen Unternehmen konfrontiert werden können, sind sehr vielfältig. Zum Beispiel können plumpe Nachahmungen der Produkte in minderwertiger Qualität auftauchen, häufig in Kombination mit einem gefälschten Markensymbol. In anderen Fällen werden technische Prinzipien, wie etwa konstruktive Elemente oder Steuerungssoftware, in hoher Qualität reproduziert. Jeder Pirateriefall muss daher individuell analysiert werden und erfordert ganz individuelle Maßnahmen. Vor diesem Hintergrund lassen sich zwei Grundarten von Produktimitationen unterscheiden

Fälschung

Imitationen werden als Fälschungen bezeichnet, wenn der Imitator die Marke oder markenprägende Elemente kopiert und damit seinem Produkt die Urheberschaft des Originalherstellers unterstellt. Sofern dabei auch das Produkt täuschend echt nachempfunden wird, handelt es sich um eine so genannte sklavische Fälschung, andernfalls um eine einfache Markenfälschung.

Markenfälschung am Beispiel Fortis
(Quelle: www.plagiarius.com)
Sklavische Fälschung am Beispiel Nintendo (Quelle: www.plagiarius.com)

 

Plagiat

Plagiate sind Kopien eines fremden geistigen Eigentums, wobei der Imitator der Kopie die eigene Urheberschaft unterstellt, indem er sie mit seiner eigenen Marke versieht bzw. die Marke des Originalherstellers verschweigt. Hierbei lässt sich zum einen der Fall beobachten, dass ein Imitator nur wesentliche Elemente des Originalproduktes in Form einer Konzeptkopie übernimmt. Andererseits kann das Originalprodukt auch in identischer Weise nachgebaut werden. In diesem Fall spricht man von einer sklavischen Kopie.

Konzeptkopie am Beispiel Festo (Quelle: www.plagiarius.com) Sklavische Kopie am Beispiel Stihl (Quelle: www.plagiarius.com)

 

Diese Grundtypen der Produktimitation können sehr unterschiedliche Schadensfälle zur Folge haben. Beispielsweise werden Konzeptkopien kaum die Gefahr von Produkthaftungsklagen nach sich ziehen, weil sich die Imitationen sehr einfach vom Originalprodukt unterscheiden lassen. Einzig die sklavischen Fälschungen können häufig zu Produkthaftungsklagen führen, die die Unternehmen in ernsthafte Erklärungsnot bringen. Andererseits führen plumpe Markenfälschungen in aller Regel nicht unmittelbar zu signifikanten Umsatzeinbußen, da die potenzielle Käufergruppe der Produktimitation eine gänzlich andere ist. Erst die Verwässerung des Markenimage wird langfristig zu kommerziellen negativen Effekten führen.